Use Case · Entscheidungshilfe vor dem ersten Projekt
Nicht alles, was automatisch laufen soll,
braucht ein Sprachmodell.
Der teuerste Fehler in KI-Projekten ist nicht das falsche Modell. Es ist der Einsatz eines Modells dort, wo eine Regel schneller, billiger und nachvollziehbarer wäre. Der Prozess-Scanner nimmt einen Ablauf auseinander und sortiert jeden Schritt in eine von vier Schubladen.
Regel
Eindeutig entscheidbar. Läuft in Millisekunden, kostet nichts und ist im Nachhinein prüfbar.
Sprachmodell
Verlangt Verständnis von Freitext, Kontext oder Absicht. Dafür gibt es keine Regel.
Mensch
Braucht Verantwortung, Beziehung oder Ermessen. Wird vorbereitet, nicht ersetzt.
Gar nicht
Technisch möglich, aber das Risiko frisst den Nutzen. Wird benannt, nicht gebaut.
Der Scanner
Fünf Abläufe, wie sie in jedem Mittelständler vorkommen
Wählen Sie einen aus. Die Zerlegung darunter zeigt, was jeweils wohin gehört — und wie viel davon am Ende überhaupt ein Sprachmodell braucht.
So beschrieben
Regel
Sprachmodell
Mensch
Gar nicht
Erste Ausbaustufe
Was schiefgehen kann
Was der Betrieb kostet
Die zweite Frage jedes Geschäftsführers
Sie lautet nicht „geht das?“, sondern „was kostet das im Monat?“. Die Antwort hängt weniger am Modell als an der Aufteilung oben. Beispielrechnung für 2.000 Vorgänge im Monat, Eingangspost sichten und verteilen.
| Zuschnitt | Modellaufrufe | Größenordnung | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Alles durch ein großes Modell | 2.000 | dreistellig | Der naheliegende, teure Zuschnitt. Jeder Vorgang, auch der eindeutige, geht durch das Modell. |
| Regel vorgeschaltet | rund 700 | zweistellig | Bekannter Absender, Standardformular, Doppeleingang: entscheidet eine Regel. Nur der Rest geht weiter. |
| Regel plus kleines Modell zur Vorsortierung | rund 200 | einstellig bis zweistellig | Ein günstiges Modell sortiert vor, das große bekommt nur die wirklich unklaren Fälle. |
| Zusätzlich Zwischenspeicherung | rund 200 | deutlich darunter | Wiederkehrende Anweisungen werden nicht bei jedem Aufruf neu bezahlt. Wirkt vor allem bei mehrstufigen Abläufen. |
Auf schmalen Bildschirmen lässt sich die Tabelle seitlich schieben.
Zwischen dem naheliegenden und dem durchdachten Zuschnitt liegt bei gleicher Leistung ungefähr der Faktor zehn. Die Ersparnis entsteht nicht durch ein billigeres Modell, sondern dadurch, dass die Hälfte der Fälle es gar nicht erst erreicht.
Die Größenordnungen sind Rechenbeispiele auf Basis der heute üblichen Preise und einer angenommenen Textlänge je Vorgang. Sie ersetzen keine Kalkulation für Ihren Fall, sondern zeigen, wo die Stellschrauben liegen. In gebauten Systemen wird der tatsächliche Verbrauch je Vorgang mitprotokolliert, damit aus der Schätzung eine Messung wird.
Die vierte Spalte
Was wir nicht bauen würden
Jede Zerlegung oben hat eine Spalte, die leer bleiben könnte und es meistens nicht tut. Diese Spalte ist der eigentliche Wert einer Beratung. Wer sie weglässt, verkauft ein Projekt statt einer Entscheidung.
Bewerber bewerten oder in eine Reihenfolge bringen
Technisch trivial, rechtlich heikel und nach der europäischen KI-Verordnung als Hochrisiko eingestuft. Ein System, das gelernt hat, worauf bisher eingestellt wurde, lernt auch mit, was dabei schieflief. Zusammenfassen und Gesprächsfragen vorbereiten: gern. Ranking: nein.
Zahlungen auslösen
Eine Rechnung auslesen, prüfen und vorkontieren ist ein guter Anwendungsfall. Die Zahlung selbst anzustoßen ist keiner. Der häufigste Angriff auf den Mittelstand ist die geänderte Bankverbindung in einer sonst korrekten Rechnung.
Erstkontakt zu Neukunden inhaltlich beantworten
Eingangsbestätigung und Weiterleitung: sinnvoll. Eine inhaltliche Antwort ohne menschlichen Blick: der erste Eindruck ist zu teuer, um ihn einem System zu überlassen, das gelegentlich daneben liegt.
Kündigungen, Fristen und alles Vertragliche allein entscheiden
Erkennen, markieren und mit der berechneten Frist vorlegen: ja. Die Entscheidung selbst trägt ein Mensch, weil ein Fehler hier nicht korrigierbar ist.
Alles, was niemand nachprüfen kann
Wenn eine Ausgabe im Betrieb von niemandem gegengelesen wird und auch niemandem auffiele, wenn sie falsch wäre, ist der Prozess nicht reif für Automatisierung. Dann fehlt keine KI, dann fehlt eine Kontrolle.
Wie daraus ein Projekt wird
Klein anfangen, aber an der richtigen Stelle
Die Zerlegung oben ist keine Analyse für die Schublade. Sie ist der Zuschnitt der ersten Ausbaustufe. Der Anspruch ist nicht, den ganzen Prozess zu automatisieren, sondern in wenigen Wochen einen Teil davon produktiv zu haben.
Zerlegen
Ein Ablauf, ein Termin. Am Ende steht die Aufteilung in die vier Spalten, mit Aufwand und einer benannten ersten Stufe.
Regeln zuerst bauen
Der unspektakuläre Teil kommt an den Anfang, weil er sofort wirkt und nichts kostet. Oft sind danach schon 40 bis 60 Prozent der Fälle erledigt.
Modell nur für den Rest
Erst jetzt kommt das Sprachmodell dazu, und nur für die Fälle, die übrig sind. Das ist der Punkt, an dem die Betriebskosten entschieden werden.
Messen, bevor es produktiv geht
Ein Prüfsatz aus gelabelten Fällen, darunter absichtlich schwierige. Erst wenn die Trefferquote steht, geht das System in den Betrieb.
Vorschlagen lassen, nicht handeln lassen
Die erste produktive Stufe entscheidet nichts, sie schlägt vor. Ein Mensch bestätigt. Erst wenn die Vorschläge über Wochen stimmen, wird die Bestätigung schrittweise weggelassen.
Diese Seite zeigt fünf typische Abläufe mit hinterlegten Zerlegungen und ruft kein Sprachmodell auf. Die Aufteilung für Ihren konkreten Prozess entsteht im Gespräch, weil sie von Dingen abhängt, die in keiner Prozessbeschreibung stehen: wer heute was entscheidet, wo schon einmal etwas schiefging und was im Haus tatsächlich an Daten vorliegt.
Der nächste Schritt
Welcher Ablauf frisst bei Ihnen die meiste Zeit?
Bringen Sie einen Prozess mit, den Sie ohnehin für zu aufwendig halten. Im Erstgespräch zerlegen wir ihn gemeinsam in diese vier Spalten. Sie gehen mit der Aufteilung heraus, unabhängig davon, ob wir danach zusammenarbeiten.
Gespräch anfragen